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  • AutorenbildRaffael Debatin

Adventurers and Explorer

Parkour ist eine Sportkultur, die eine enge Beziehung mit der Architektur eingeht. "The City is my playground" ist wohl einer der ältesten und bekanntesten Mottos in der Szene.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, an der google Maps mein wichtigstes Trainingsutensil war. Als ich 2007 angefangen habe mit Parkour, gab es weder Parkour-Parks noch Spotmaps. Jede Stadt war neu, aufregend und voller Entdeckungen. Vor jedem Training habe ich mir einen neuen Stadtteil von oben angeschaut, immer auf der Suche nach einer Anssammlung grauer Linien, nach verwinkelten Konstruktionen oder möglichen Verbindungen zwischen zwei oder mehreren Straßen.. Immer in der Hoffnung eine neue Trainingsmöglichkeit zu finden. Waren wir dann in der Stadt unterwegs, war jede kleine Querstraße und jeder Hinterhof ein Abenteuer. Hatten wir Glück, entdekcten wir neue Herausforderungen, neue Lines oder einfach schöne Orte die von außen nicht einsehbar waren. Hatten wir kein Glück, hatten wir trotz allem eine richtig gute Zeit und lernten unsere Stadt immer besser kennen.

Wir wurden Entdecker und Abenteurer. Eine wesentliche Charaktereigenschaft jedes Traceur und Freerunners zu dieser Zeit.

Wir fingen an unsere eigenen Karten zu zeichnen, Luftaufnahmen auszuwerten, verschiedene Baustile nach der Wahrscheinlichkeit von guten Spots einzuordnen. Es gab die allseits bekannten öffentlichen Orte und es gab die geheimen Spots die nur die Insider kannten. Spots die schwer zu erreichen waren, Orte an denen man nur in kleinen Gruppen zu bestimmten Zeiten trainieren konnte oder Spots für die man eine gewissen Erfahrung und Reife mitbringen musste. Spots an denen man wissen musste wie fit man ist, physish wie psychisch. Spots an denen ein scheitern oder eine Fehleinschätzung ein extrem hohes Risiko zu folge hatte. Somit lernten wir auch Verantwortung für die Szene zu übernehmen, wir lernten wem wir welche Spots zutrauen konnten und welche Orte gut waren sich für anspruchsvoller Sprünge und Lines vorzubereiten.

Ok, was genau hat das jetzt mit dem Design einer Parkour-Anlage zu tun? Function follows Form setzt sich damit auseinander, wir Architektur das Training und Bewegungsstile beeinflusst. Durch mangelnde Planung geht nicht nur der Bezug zur Stadt verloren, sonder beeinflusst auch maßgeblich die Art und Weise wie ich mich durch ein Stadt bewege. Plane ich eine Fläche mit offensichtlichen und klar definierten Aufgaben, senke ich natürlich die Einstiegshürde, Geht die Planung nicht über diese klar definierten Bewegungsaufgaben hinaus, verhindere ich jedoch die Entwicklung der Abenteurer und Entdeker Mentalität.

Setze ich diese Reize nicht mehr, gehen wir nicht mehr raus in die Welt um gemeinsam etwas neues zu entdecken. Der Sport verliert an dem Punkt seinen Reiz, wenn ich alle Aufgaben auf dieser definierten Fläche abgearbeitet habe. Diese Einschränkung beeinflusst nicht nur das Training und die Wahrnehmung jedes Einzelnen. Es beeinflusst wie man diesen Sport zusammen als Gruppe wahrnimmt und was es einem gibt. Abenteuer bringen Menschen zusammen, die so vielleicht niemals zusammen gekommen wären. Dieses belohnende Gefühl einen neuen Spot gefunden zu haben und die daraus entstehende Wertschätzung für diesen Ort gehen verloren. Durch das Entdecken dieses Ortes ist damit automatisch eine Geschichte und eine Gefühl verbunden. Diese Beziehung führt dazu, dass man eine gewisse Verantwortung für diesen Ort übernimmt. Man belebt einen Ort, räumt auf. ärgert sich wenn etwas kaputt ist und übernimmt Verantwortung dafür, wenn während dem Training Schäden entstanden sind.


Was fange ich jetzt als Planer/Designer mit diesem Wissen und dieser Philosophie an? Fange ich jetzt an Tiefgarageneinfahrten und Treppenaufgänge zu Planen und jeder Park ist die identische Kopie meines Lieblingsspots? Ja und Nein. Wer wenn wir den Gedanken "Function follows Form" aufgreifen und uns davon befreien jedes Hinerniss für eine bestimmte Bewegung zu planen, sondern Hinterfragen warum unser Lieblingsspot unser Lieblingsspot ist und lernen die Architektur die damit verbunden ist zu verstehen, dann sind wir auf einem guten Weg eine angleichung beider Ansätze vereinen zu können. Ich kann meine Erfahrung und meine PK-Philosophie dazu nutzen spannende Flächen zu planen die es Einsteigern ermöglicht Erfolge zu erleben aber im gleichen Atmenzug Challenges verstecken um erfahrenen Traceuren und Freerunnern etwas zu bieten und es ermöglichen gemeinsam Herausforderungen zu entdecken und gemeinsam etwas zu erleben.

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